Auflichtdermatoskopie

Auflichtdermatoskopie

Die Auflichtdermatoskopie wird auch Auflichtmikroskopie genannt.
Sie erlaubt es dem erfahrenen Dermatologen mit Hilfe eines speziellen Auflichtmikroskops
in die obersten Hautschichten hinein zu sehen.
Durch das Benetzen der Haut z.B. mit Wasser, Öl oder Desinfektionsmittel und dem direkten Aufsetzen des Dermatoskops wird die Brechung des Lichts und damit die Spiegelung an der Hautoberfläche ausgeschaltet und somit kann tatsächlich in die obersten Schichten der Haut hineingesehen werden. Es gibt auch spezielle Dermatoskope mit polarisiertem Licht, die den Effekt des Herabsetzens oder Eliminierens der Lichtbrechung an der Hautoberfläche schon ohne Benetzen und direktem Aufsetzen auf die Haut erreichen können. Die klassische Dermatoskopie mit Hautkontakt und Benetzen der Haut ist jedoch diesen neuen Geräten immer noch überlegen.
Ohne Auflichtmikroskopie muss sich der Arzt auf die simplen ABCDE Regeln beschränken bei der Beurteilung von Muttermalen und sich auch sonst auf sein bloßes Auge oder bestenfalls eine Vergrößerungslupe verlassen, um zu beurteilen, ob es sich z.B. um ein Basaliom handelt.  Dies führt dann häufig zu unnötigen Operationen, da im Zweifelsfall natürlich aus Sicherheitsgründen operiert werden muss, bevor man riskiert einen Hauttumor übersehen zu haben.
Mit der Auflichtmikroskopie kann der Untersucher (damit ist ein in der Dermatoskopie ausgebildeter Dermatologe gemeint) klar die Strukturen eines Muttermales erkennen, Verteilung des Pigments, Gefäße und deren Aufbau, um dann eine Entscheidung zu treffen bezüglich einer notwendigen Operation. Ohne diese Technik würden zahlreiche auffällig Muttermale operiert werden müssen, die mit der Auflichtmikroskopie schon als gutartig erkannt werden könnten.

Leider gab es in der letzten Zeit viel Aufruhr um die Auflichtdermatoskopie. Sie ist leider nicht Bestandteil des gesetzlichen Hautkrebsscreenings, da die gesetzlichen Krankenkassen nur die Untersuchung mit dem bloßen Auge bezahlen. Einige Fachkollegen erheben deshalb (zu Recht) eine Gebühr für diese spezielle Untersuchung als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Wir erheben diese Gebühr (noch) nicht, da wir eine Hautkrebsvorsorge ohne Auflichtdermatoskopie für uns für nicht durchführbar und nicht dem bestmöglichen fachärztlichen Standard entsprechend halten und wir möchten, dass jeder Patient vor unnötigen Operationen bewahrt bleibt. Die Auflichtmikroskopie ist unverzichtbar für den Dermatologen zur Beurteilung von bestimmten Hautveränderungen.

Schlimm finden wir, dass auf dem Boden der allgemeinen Diskussion um individuelle Gesundheitsleistungen, von denen sicher einige als nicht besonders sinnvoll zu erachten sind, die Auflichtdermatoskopie als sichere und jahrelang bewährte Technik bei der Hautkrebsuntersuchung so verunglimpft wird.
Wer sich einmal die Technik erklären und zeigen lässt und sich dazu entsprechende bebilderte Lektüre besorgt, wird sofort verstehen, dass das Auflichtmikroskop keine einfache beleuchtete Lupe ist und die Anwendung des Dermatoskops viel Erfahrung und auch eine entsprechende Ausbildung erfordert.

Anders sieht unsere Meinung aus bezüglich der sogenannten Videodermatoskopie.
Hierbei handelt es sich um ein Gerät, welches auflichtdermatoskopische Bilder eines Muttermals elektronisch auf einem Computer abspeichert und sogar per Software dieses Bild mit einigen Tausend vorher in der Software hinterlegten Beispielbildern abgleicht und dann nach Unregelmäßigkeiten nach der ABCDE-Regel versucht eine Aussage zu treffen, ob dieses Muttermal operiert werden muss oder nicht. Anhand dieser hinterlegten Rechentechnik merken Sie schon, dass eine Videodermatoskopie leider nicht viel mehr kann, trotz der auflichtdermatoskopischen Bilder, als die Untersuchung mit dem bloßen Auge, wo man ja auch nach der ABCDE Regel vorgeht. Sollte Ihr Muttermal bei den Beispielbildern so nicht auftauchen, wird auf jeden Fall von der Software zu einer Operation geraten. Aus Sicherheitsgründen ist die Software so ausgelegt, dass möglichst wenig falsch negative (also falsch als gutartig erkannte, also in Wahrheit bösartige Muttermale) Ergebnisse herauskommen, was auch wünschenswert ist. Leider führt dies aber auch zu vielen falsch positiven Ergebnissen (falsch als bösartig erkannte Muttermale, die dann operiert werden und doch gutartig sind). (Bedeutet eine hohe Sensitivität bei geringer Spezifität).

Wir haben jahrelang Erfahrung sammeln dürfen mit diesen Geräten und bisher können wir   dieser Art der Untersuchung nichts abgewinnen und bieten sie deshalb auch nicht an. Sie führt nur zu noch mehr unnötigen Operationen und wiegt zuweil den Patienten in falscher Sicherheit. Die Videodermatoskopie kann eine Untersuchung mit dem klassischen Dermatoskop durchgeführt durch einen erfahrenen Dermatologen nicht ersetzen, zumal ja auch eine Vorauswahl der Muttermale getroffen werden muss und die Aussage mit dem Dermatoksop dann durch den Dermatologen noch treffsicherer und auch schneller ist als mit jedem Videodermatoskop.